Pferde schenken Lebensmut

von admin

Zeitungsartikel: Schwarzwälder Bote 10.03.2011

Link zum Artikel im Schwarzwälder Bote

 

Von Julia Kerber

 

Bad Rippoldsau-Schapbach

 

Tanja strahlt über das ganze Gesicht, langsam und vorsichtig streckt sie ihren Arm aus und berührt zaghaft die Nüstern von Laszlo. Das gescheckte Pferd ist groß und sehr gutmütig. Es scheint zu spüren, dass es mit der Frau vor ihm vorsichtig umgehen muss.

 

Tanja ist eine Bewohnerin des Bonifazhofs in Schapbach, einer Einrichtung für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Neben ihrer geistigen Behinderung leidet sie an Epilepsie und kann sich kaum artikulieren. „Doch wenn sie bei den Pferden ist, dann lächelt sie nur noch“, erzählt Heilpädagogin Ronja Nübel.

 

In dem hauseigenen Stall sind die Bewohner für die täglich anfallenden Arbeiten verantwortlich: Peter ist der Schaffer. Im Nu hat er seine Schubkarre mit Sägemehl gefüllt, während Jürgen nur jeweils eine Schaufel pro Karre wegfährt. Hier kommt es darauf an, dass JEDER gebraucht wird und dass JEDE Arbeit wichtig und nötig ist. Stolz berichtet Gianlucka, der grade eine Box ausmistet: „Wir können nicht faulenzen, denn die Tiere müssen ja versorgt werden.“

 

Zum Konzept der modernen Einrichtung gehört es, den Bewohnern Verantwortung zu vermitteln und das Gefühl zu geben, dass sie gebraucht werden. Roland Wiesler, der Leiter des Bonifazhofs, legt darauf großen Wert: „Trotz des beschützenden Bereichs versuchen wir, mit geschlossenen Strukturen freizügig umzugehen, damit die Menschen hier SEIN können.“ Dazu gehört zum Beispiel, dass der großzügige Gartenbereich stets offen für die Bewohner ist.

 

Daneben ist ein geregelter Alltag wichtig für Menschen mit Verhaltensproblematiken. Für die 26 Bewohner zwischen 20 und 56 Jahren beginnt der Tag mit Wecken, Morgentoilette und Frühstück. Da der Bedarf an Hilfe in den drei Gruppen sehr hoch ist, dauert alles ein wenig länger. Gegen 9 Uhr beginnt die Tagesbetreuung. Für die Bewohner heißt das: An die Arbeit! Neben der Stallgruppe gibt es vielseitige Beschäftigungsmöglichkeiten in der Turnhalle.

 

Die Mitarbeiter, die für Pflege und Betreuung verantwortlich sind, lassen sich jeden Tag etwas einfallen, ob Singkreis, Fädelarbeiten oder Entspannungsübungen auf den Matten – auf jeden wird individuell eingegangen. Gudrun legt heute Lätzchen für das Mittagessen zusammen. „Trotz ihrer Blindheit leistet sie akkurate Arbeit und ist sehr aufmerksam“, weiß Pädagogin Nicole Spikermann zu berichten.

Nach getaner Arbeit und wohlverdientem Abendessen geht es langsam zu Bett. Besonders bei der Stallgruppe kehrt sehr schnell Ruhe ein.

 

Seit 2003 bietet das Bonifazhaus, eine Einrichtung des St. Josefshaus Herten, Menschen mit sehr hohem Hilfebedarf neue Lebensperspektiven. Insgesamt 30 Mitarbeiter sind nötig, um die 24-Stunde-Betreuung und die intensive Pflege zu gewährleisten. Schwerpunkte sind Verhaltensproblematiken wie autistische Störungen und Zwangsverhalten.

 

Doch nicht nur für seine Bewohner ist das Haus wichtig, sondern auch für die Gemeinde. Neben der Funktion als Arbeitgeber trägt es zu Aufgeschlossenheit und Integration bei. Zum jährlichen Gartenfest kommen die Leute der Gemeinde zu Besuch, die Vereine gestalten das Nachmittagsprogramm. Und bei Ausflügen tragen die Bewohner ihre Lebensfreude, die in jeder Ecke des Hauses spürbar ist, mit hinaus.

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